Standardnormalverteilung und z-Transformation

Standardnormalverteilung und z-Transformation

Die Standardnormalverteilung

Die Standardnormalverteilung ist die Normalverteilung mit Erwartungswert \( \mu = 0 \) und Standardabweichung \( \sigma = 1 \): \( Z \sim N(0, 1) \). Ihre Dichtefunktion ist:

$$\varphi(z) = \frac{1}{\sqrt{2\pi}} \cdot e^{-z^2/2}$$

Ihre Verteilungsfunktion wird mit \( \Phi(z) = P(Z \leq z) \) bezeichnet. Tabellen der Standardnormalverteilung listen \( \Phi(z) \) für verschiedene \( z \)-Werte auf. Die Standardnormalverteilung dient als Referenzverteilung: Jede allgemeine Normalverteilung lässt sich auf sie zurückführen.

Die z-Transformation (Standardisierung)

Ist \( X \sim N(\mu, \sigma^2) \), so erhält man durch die z-Transformation

$$Z = \frac{X – \mu}{\sigma}$$

eine standardnormalverteilte Zufallsgröße \( Z \sim N(0, 1) \). Man subtrahiert den Erwartungswert (Zentrierung) und dividiert durch die Standardabweichung (Skalierung). Der z-Wert gibt an, wie viele Standardabweichungen ein Wert vom Erwartungswert entfernt liegt.

Beispiel: Die Körpergröße von Männern sei \( X \sim N(178, 7^2) \) cm. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig gewählter Mann größer als 190 cm ist?

$$z = \frac{190 – 178}{7} \approx 1{,}71$$

$$P(X > 190) = P(Z > 1{,}71) = 1 – \Phi(1{,}71) \approx 1 – 0{,}9564 = 0{,}0436$$

Also sind etwa 4,4 % der Männer größer als 190 cm.

Symmetrie der Standardnormalverteilung

Da die Standardnormalverteilung symmetrisch um 0 ist, gilt:

$$\Phi(-z) = 1 – \Phi(z)$$

Diese Beziehung halbiert den Tabellenumfang: Man benötigt nur Werte für \( z \geq 0 \). Außerdem gilt \( P(-a \leq Z \leq a) = 2\Phi(a) – 1 \).

Berechnung von Intervallwahrscheinlichkeiten

Für \( X \sim N(\mu, \sigma^2) \) und ein Intervall \( [a, b] \):

$$P(a \leq X \leq b) = \Phi\left(\frac{b-\mu}{\sigma}\right) – \Phi\left(\frac{a-\mu}{\sigma}\right)$$

Beispiel: Prüfungsergebnisse mit \( \mu = 60, \sigma = 12 \). Anteil mit Punktzahl zwischen 50 und 80:

$$P(50 \leq X \leq 80) = \Phi\left(\frac{80-60}{12}\right) – \Phi\left(\frac{50-60}{12}\right) = \Phi(1{,}67) – \Phi(-0{,}83) \approx 0{,}9525 – 0{,}2033 = 0{,}7492$$

Etwa 75 % der Prüflinge erzielen zwischen 50 und 80 Punkten.

Quantile der Standardnormalverteilung

Das \( \alpha \)-Quantil \( z_\alpha \) ist der Wert, für den \( \Phi(z_\alpha) = \alpha \) gilt. Wichtige Quantile:

  • \( z_{0{,}975} = 1{,}96 \) → für 95-%-Konfidenzintervalle
  • \( z_{0{,}995} = 2{,}576 \) → für 99-%-Konfidenzintervalle
  • \( z_{0{,}95} = 1{,}645 \) → für einseitige Tests auf 5-%-Niveau

Diese Quantile tauchen bei Hypothesentests und Konfidenzintervallen ständig auf und sollten bekannt sein.

Zusammenfassung

Die Standardnormalverteilung \( N(0,1) \) ist die zentrale Referenzverteilung der Stochastik. Durch die z-Transformation \( Z = \frac{X-\mu}{\sigma} \) wird jede Normalverteilung auf sie zurückgeführt. Die Symmetrie \( \Phi(-z) = 1 – \Phi(z) \) vereinfacht Berechnungen. Die Quantile \( z_\alpha \) sind die Grundlage für Konfidenzintervalle und Hypothesentests. Die Tabelle der Standardnormalverteilung (oder der GTR) ist das zentrale Rechenhilfsmittel.