Transformation von Graphen (Streckung, Verschiebung)

Transformation von Graphen: Streckung und Verschiebung

Grundidee: Bekannte Graphen verändern

Statt jede Funktion von Grund auf zu analysieren, kann man viele Funktionen als Transformationen bekannter Grundfunktionen verstehen. Durch Verschiebung, Streckung, Stauchung und Spiegelung lassen sich aus wenigen Basisgraphen (Normalparabel, Sinuskurve, Exponentialfunktion) unzählige neue Graphen erzeugen. Das Verständnis dieser Transformationen ermöglicht es, den Graphen einer Funktion schnell zu skizzieren und die Auswirkung von Parameteränderungen vorherzusagen.

Verschiebung in y-Richtung

Der Graph von \( g(x) = f(x) + d \) entsteht aus dem Graphen von \( f \) durch Verschiebung um \( d \) Einheiten nach oben (für \( d > 0 \)) bzw. nach unten (für \( d < 0 \)). Jeder Punkt des Graphen wird um denselben Betrag in vertikaler Richtung verschoben.

Beispiel: \( g(x) = x^2 + 3 \) ist die Normalparabel, um 3 Einheiten nach oben verschoben. Der Scheitel wandert von \( (0, 0) \) nach \( (0, 3) \).

Verschiebung in x-Richtung

Der Graph von \( g(x) = f(x – c) \) entsteht durch Verschiebung um \( c \) Einheiten nach rechts (für \( c > 0 \)) bzw. nach links (für \( c < 0 \)). Achtung: Das Vorzeichen ist kontraintuitiv! Ein Minus im Argument verschiebt nach rechts.

Beispiel: \( g(x) = (x – 2)^2 \) ist die Normalparabel, um 2 nach rechts verschoben. Scheitel bei \( (2, 0) \). Dagegen ist \( h(x) = (x + 3)^2 \) um 3 nach links verschoben, Scheitel bei \( (-3, 0) \).

Streckung und Stauchung in y-Richtung

Der Graph von \( g(x) = a \cdot f(x) \) wird in y-Richtung um den Faktor \( |a| \) gestreckt (für \( |a| > 1 \)) oder gestaucht (für \( 0 < |a| < 1 \)). Für \( a < 0 \) kommt zusätzlich eine Spiegelung an der x-Achse hinzu.

Beispiel: \( g(x) = 3\sin(x) \) hat die dreifache Amplitude der Sinusfunktion. \( h(x) = -x^2 \) ist die an der x-Achse gespiegelte Normalparabel (nach unten geöffnet).

Streckung und Stauchung in x-Richtung

Der Graph von \( g(x) = f(b \cdot x) \) wird in x-Richtung um den Faktor \( \frac{1}{|b|} \) gestreckt (für \( 0 < |b| < 1 \)) oder gestaucht (für \( |b| > 1 \)). Für \( b < 0 \) kommt eine Spiegelung an der y-Achse hinzu.

Beispiel: \( g(x) = \sin(2x) \) hat die halbe Periode der Sinusfunktion – der Graph ist in x-Richtung auf die Hälfte gestaucht. \( h(x) = e^{-x} \) ist die an der y-Achse gespiegelte Exponentialfunktion.

Kombination mehrerer Transformationen

Die allgemeine transformierte Funktion \( g(x) = a \cdot f(b(x – c)) + d \) kombiniert alle vier Transformationstypen:

  1. Streckung/Stauchung in x-Richtung um Faktor \( \frac{1}{|b|} \) (evtl. mit Spiegelung)
  2. Verschiebung um \( c \) nach rechts
  3. Streckung/Stauchung in y-Richtung um Faktor \( |a| \) (evtl. mit Spiegelung)
  4. Verschiebung um \( d \) nach oben

Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst die Operationen am Argument (x-Richtung), dann die am Funktionswert (y-Richtung).

Beispiel: \( g(x) = 2\sin(3(x – \frac{\pi}{6})) + 1 \). Ausgehend von \( \sin(x) \): in x-Richtung um Faktor \( \frac{1}{3} \) gestaucht (Periode \( \frac{2\pi}{3} \)), um \( \frac{\pi}{6} \) nach rechts verschoben, in y-Richtung um Faktor 2 gestreckt (Amplitude 2), um 1 nach oben verschoben (Mittellinie \( y = 1 \)).

Auswirkung auf besondere Punkte

Transformationen wirken systematisch auf alle besonderen Punkte: Nullstellen, Extremwerte und Wendepunkte werden gemäß den Verschiebungs- und Streckungsregeln mittransformiert. Hat die Grundfunktion \( f \) ein Maximum bei \( (x_0, y_0) \), so hat \( g(x) = a \cdot f(b(x-c)) + d \) ein Maximum bei \( \left(\frac{x_0}{b} + c, \, a \cdot y_0 + d\right) \) (für \( a > 0 \); bei \( a < 0 \) wird es zum Minimum).

Zusammenfassung

Die Transformationen – Verschiebung, Streckung, Stauchung und Spiegelung – bilden ein universelles Werkzeug zur schnellen Analyse und Skizze von Funktionsgraphen. Verschiebungen bewirken eine Lageveränderung ohne Formänderung, Streckungen und Stauchungen ändern die Proportionen, Spiegelungen die Orientierung. Die allgemeine Form \( a \cdot f(b(x-c)) + d \) fasst alle Transformationen zusammen. Das Verständnis dieser Operationen verbindet verschiedene Funktionsfamilien und reduziert die Kurvendiskussion auf die Analyse weniger Grundfunktionen.