Umkehrfunktionen

Umkehrfunktionen

Was ist eine Umkehrfunktion?

Die Umkehrfunktion (oder inverse Funktion) \( f^{-1} \) „macht die Wirkung von \( f \) rückgängig“. Ist \( y = f(x) \), so liefert die Umkehrfunktion \( x = f^{-1}(y) \). Formal gilt:

$$f^{-1}(f(x)) = x \quad \text{und} \quad f(f^{-1}(y)) = y$$

Die Umkehrfunktion löst also die Gleichung \( y = f(x) \) nach \( x \) auf. Anschaulich vertauscht sie die Rollen von Eingabe und Ausgabe: Wo \( f \) den Wert 3 auf 9 abbildet, bildet \( f^{-1} \) den Wert 9 auf 3 ab.

Wichtig: Die Notation \( f^{-1} \) bedeutet hier die Umkehrfunktion, nicht den Kehrwert \( \frac{1}{f} \). Diese Verwechslungsgefahr besteht besonders bei trigonometrischen Funktionen.

Existenzbedingung: Injektivität

Eine Umkehrfunktion existiert nur, wenn \( f \) injektiv (eineindeutig) ist: Jeder Funktionswert darf höchstens einmal angenommen werden. Grafisch bedeutet dies: Jede waagerechte Linie schneidet den Graphen höchstens einmal (horizontaler Linientest).

Streng monotone Funktionen sind stets injektiv und besitzen daher immer eine Umkehrfunktion. Nicht-injektive Funktionen wie \( f(x) = x^2 \) (da \( f(-2) = f(2) = 4 \)) können nur auf einem eingeschränkten Definitionsbereich invertiert werden – z. B. \( f: [0, \infty) \to [0, \infty) \) mit \( f^{-1}(y) = \sqrt{y} \).

Graph der Umkehrfunktion

Der Graph von \( f^{-1} \) entsteht durch Spiegelung des Graphen von \( f \) an der Winkelhalbierenden \( y = x \). Dabei werden die Koordinaten jedes Punktes vertauscht: Aus \( (a, b) \) auf dem Graphen von \( f \) wird \( (b, a) \) auf dem Graphen von \( f^{-1} \).

Dies erklärt auch den Zusammenhang der Definitions- und Wertebereiche: \( D_{f^{-1}} = W_f \) und \( W_{f^{-1}} = D_f \).

Berechnung der Umkehrfunktion

Die Berechnung erfolgt in drei Schritten:

  1. Schreibe \( y = f(x) \)
  2. Löse nach \( x \) auf: \( x = \ldots \)
  3. Vertausche \( x \) und \( y \): Die rechte Seite ist \( f^{-1}(x) \)

Beispiel 1: \( f(x) = 2x + 3 \). Schritt 1: \( y = 2x + 3 \). Schritt 2: \( x = \frac{y-3}{2} \). Schritt 3: \( f^{-1}(x) = \frac{x-3}{2} \).

Beispiel 2: \( f(x) = e^x \). Schritt 1: \( y = e^x \). Schritt 2: \( x = \ln(y) \). Schritt 3: \( f^{-1}(x) = \ln(x) \). Die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion ist der natürliche Logarithmus.

Beispiel 3: \( f(x) = x^3 + 1 \). Schritt 1: \( y = x^3 + 1 \). Schritt 2: \( x = \sqrt[3]{y – 1} \). Schritt 3: \( f^{-1}(x) = \sqrt[3]{x – 1} \).

Ableitung der Umkehrfunktion

Ist \( f \) differenzierbar und \( f'(x) \neq 0 \), so ist auch \( f^{-1} \) differenzierbar, und es gilt die Umkehrregel:

$$\left(f^{-1}\right)'(y) = \frac{1}{f'(x)} \quad \text{wobei } y = f(x)$$

Oder äquivalent: \( (f^{-1})'(y) = \frac{1}{f'(f^{-1}(y))} \).

Beispiel: Für \( f(x) = e^x \) und \( f^{-1}(y) = \ln(y) \): Es ist \( f'(x) = e^x \), also \( (f^{-1})'(y) = \frac{1}{e^x} = \frac{1}{y} \). Tatsächlich ist \( (\ln y)‘ = \frac{1}{y} \) – die Umkehrregel bestätigt die bekannte Ableitung.

Geometrisch bedeutet die Umkehrregel: Die Steigung der Umkehrfunktion ist der Kehrwert der Steigung der Originalfunktion am entsprechenden Punkt. Dies ergibt sich aus der Spiegelung an \( y = x \).

Wichtige Umkehrfunktionspaare

  • \( e^x \) und \( \ln(x) \)
  • \( x^n \) (für \( x \geq 0 \)) und \( \sqrt[n]{x} \)
  • \( a^x \) und \( \log_a(x) \)
  • \( \sin(x) \) (eingeschränkt auf \( [-\frac{\pi}{2}, \frac{\pi}{2}] \)) und \( \arcsin(x) \)
  • \( \cos(x) \) (eingeschränkt auf \( [0, \pi] \)) und \( \arccos(x) \)
  • \( \tan(x) \) (eingeschränkt auf \( (-\frac{\pi}{2}, \frac{\pi}{2}) \)) und \( \arctan(x) \)

Zusammenfassung

Die Umkehrfunktion löst die Gleichung \( y = f(x) \) nach \( x \) auf und macht die Wirkung von \( f \) rückgängig. Sie existiert genau dann, wenn \( f \) injektiv ist. Der Graph entsteht durch Spiegelung an \( y = x \). Die Ableitung der Umkehrfunktion ist der Kehrwert der Ableitung der Originalfunktion. Umkehrfunktionspaare wie \( e^x / \ln(x) \) und die Arkusfunktionen gehören zum Standardrepertoire der Analysis.