Ebenengleichung aus drei Punkten bestimmen
Grundprinzip
Drei Punkte, die nicht auf einer Geraden liegen, bestimmen genau eine Ebene. Die Aufstellung der Ebenengleichung aus drei Punkten ist eine der häufigsten Aufgaben der analytischen Geometrie. Man kann die Ebene in Parameterform, Normalform oder Koordinatenform angeben – der Ausgangspunkt ist stets die Parameterform, aus der man die anderen Formen ableitet.
Schritt 1: Parameterform
Gegeben: Drei Punkte \( A, B, C \) (nicht kollinear). Man wählt \( A \) als Stützpunkt und bildet die Verbindungsvektoren:
$$E: \vec{x} = \vec{a} + r \cdot \overrightarrow{AB} + s \cdot \overrightarrow{AC}$$
Beispiel: \( A(1, 0, 0) \), \( B(0, 3, 0) \), \( C(0, 0, 2) \).
\( \overrightarrow{AB} = \begin{pmatrix}-1\\3\\0\end{pmatrix} \), \( \overrightarrow{AC} = \begin{pmatrix}-1\\0\\2\end{pmatrix} \).
$$E: \vec{x} = \begin{pmatrix}1\\0\\0\end{pmatrix} + r\begin{pmatrix}-1\\3\\0\end{pmatrix} + s\begin{pmatrix}-1\\0\\2\end{pmatrix}$$
Prüfung: Sind die Punkte kollinear?
Vor dem Aufstellen sollte man prüfen, ob die drei Punkte tatsächlich eine Ebene bestimmen. Dies ist der Fall, wenn die Richtungsvektoren \( \overrightarrow{AB} \) und \( \overrightarrow{AC} \) nicht parallel sind, also \( \overrightarrow{AB} \times \overrightarrow{AC} \neq \vec{0} \). Im Beispiel: \( \begin{pmatrix}-1\\3\\0\end{pmatrix} \times \begin{pmatrix}-1\\0\\2\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}6\\2\\3\end{pmatrix} \neq \vec{0} \) ✓.
Schritt 2: Normalenvektor und Normalform
Der Normalenvektor steht senkrecht auf beiden Richtungsvektoren und ergibt sich als Kreuzprodukt:
$$\vec{n} = \overrightarrow{AB} \times \overrightarrow{AC} = \begin{pmatrix}6\\2\\3\end{pmatrix}$$
Die Normalform lautet: \( \vec{n} \cdot (\vec{x} – \vec{a}) = 0 \), also:
$$\begin{pmatrix}6\\2\\3\end{pmatrix} \cdot \left(\vec{x} – \begin{pmatrix}1\\0\\0\end{pmatrix}\right) = 0$$
Schritt 3: Koordinatenform
Ausmultiplizieren der Normalform: \( 6(x_1-1) + 2x_2 + 3x_3 = 0 \), also:
$$6x_1 + 2x_2 + 3x_3 = 6$$
Probe mit allen drei Punkten:
- \( A(1,0,0) \): \( 6 + 0 + 0 = 6 \) ✓
- \( B(0,3,0) \): \( 0 + 6 + 0 = 6 \) ✓
- \( C(0,0,2) \): \( 0 + 0 + 6 = 6 \) ✓
Zusammenfassung des Verfahrens
Das vollständige Verfahren in Kurzform:
- Richtungsvektoren \( \overrightarrow{AB} \) und \( \overrightarrow{AC} \) berechnen.
- Kreuzprodukt bilden → Normalenvektor \( \vec{n} \).
- Konstante berechnen: \( d = \vec{n} \cdot \vec{a} \).
- Koordinatenform: \( n_1x_1 + n_2x_2 + n_3x_3 = d \).
- Probe mit allen drei Punkten.
Alternative Methode: Gleichungssystem
Man kann auch den Ansatz \( ax_1 + bx_2 + cx_3 = 1 \) (falls die Ebene nicht durch den Ursprung geht) machen und die drei Punkte einsetzen. Das ergibt ein lineares Gleichungssystem mit drei Gleichungen und drei Unbekannten \( a, b, c \), das man z. B. mit dem Gauß-Verfahren oder dem GTR löst.
Im Beispiel: \( a \cdot 1 = 1 \Rightarrow a = 1 \). \( b \cdot 3 = 1 \Rightarrow b = \frac{1}{3} \). \( c \cdot 2 = 1 \Rightarrow c = \frac{1}{2} \). Ebene: \( x_1 + \frac{1}{3}x_2 + \frac{1}{2}x_3 = 1 \), multipliziert mit 6: \( 6x_1 + 2x_2 + 3x_3 = 6 \) ✓.
Sonderfälle
Geht die Ebene durch den Ursprung (\( d = 0 \)), muss man den Ansatz \( ax_1 + bx_2 + cx_3 = 0 \) verwenden und eine der Variablen frei wählen (z. B. \( c = 1 \)), um das unterbestimmte System zu lösen. Die Kreuzprodukt-Methode funktioniert in jedem Fall problemlos.
Zusammenfassung
Drei nicht-kollineare Punkte bestimmen eine eindeutige Ebene. Die Parameterform nutzt einen Stützpunkt und zwei Verbindungsvektoren. Der Normalenvektor als Kreuzprodukt der Richtungsvektoren führt zur Normal- und Koordinatenform. Die Probe mit allen drei Punkten sichert die Korrektheit. Alternativ liefert ein Gleichungssystem-Ansatz dieselbe Ebenengleichung. Die Fähigkeit, Ebenengleichungen aus Punkten aufzustellen, ist eine Kernkompetenz der analytischen Geometrie.